Rahman Abbas

geboren am 30.01.1972 in der Nähe von Ratnagiri an der indischen Westküste, wohnhaft in Mumbai, ist ein bedeutender Vertreter des jungen Urdu-Romans. Vorbilder waren neben der modernen Urdu-Prosaliteratur Werke von Gabriel García Márquez, George Orwell, Milan Kundera und Ben Okri. Rahman Abbas‘ Romane sind für eine Urdu-sprachige Leserschaft geschrieben. Sie sind durchzogen vom Geist der Urdu-Poesie und enthalten reichlich Anspielungen auf regionale politische und kulturelle Geschehnisse. Für Leser, die mit der kulturellen Welt Südasiens nicht vertraut sind, ist das manchmal schwer verständlich.
  
Rahman AbbasFoto: S. Wengoborski
Ein wiederkehrendes Motiv ist die Liebe in all ihren Spielarten zwischen platonisch-intellektueller Zuneigung und sexuellem Verkehr, vor allem aber die verbotene Liebe, gerade in Südasien ein immer noch brisantes Thema. Rahman Abbas ist ein politisch stark engagierter Schriftsteller, der sich für Toleranz und Säkularismus einsetzt. Seine Romane behandeln immer wieder den zunehmenden Einfluss islamisch-fundamentalistischer Gruppierungen und den Verlust einer offenen, stark regional geprägten indo-islamischen Kultur. Humoristisches und Groteskes verbinden sich in seinen Büchern mit nacktem, manchmal schockierendem Realismus, Lokalkolorit mit einem Stil, der der Suche nach kultureller Identität und dem Lebensgefühl junger Inder in einer globalisierten Welt einen sprachlichen Ausdruck verleiht.

Werke:

Rahman Abbas hat vier Romane geschrieben. 2004 erschien Nakhlistan ki Talash (Suche nach einer Oase), der ihm den Vorwurf der Obszönität und ein Gerichtsverfahren einbrachte, das zehn Jahre dauerte und ihn seine Arbeit als College-Lehrer kostete. In Ek Mamnua Muhabbat ki Kahani (Geschichte einer verbotenen Liebe) von 2009 geht es um die Entwicklung eines hochbegabten jungen Mannes zum gewaltbereiten islamistischen Terroristen.  Khuda ke Saaye men Ankh Micholi, erschienen 2011, thematisiert gesellschaftliche Zwänge, die einen Freigeist in die Verzweiflung treiben können.

Rohzin schließlich, publiziert 2016, ist ein Großstadt-Roman, der anhand mehrerer Erzählstränge und unter Verwendung von Strategien des magischen Realismus die Megacity Mumbai porträtiert. Rohzin wurde 2017 mit dem State Academy Award for fiction ausgezeichnet und als erster Roman von Rahman Abbas in andere Sprachen übersetzt: unter dem Titel Die Stadt, das Meer, die Liebe ins Deutsche (Draupadi 2017), unter dem Titel The Melancholy of the Soul (in Kürze bei Kitaab International, Singapore) und ins Hindi (noch unpubliziert).

Die drei ersten Romane wurden 2013 als Trilogie herausgegeben (Tiin Novels, Arshia Publications).

Neben Romanen schreibt Rahman Abbas auch literaturkritische Abhandlungen.

Rezensionen

http://www.taz.de/!5527739/

https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/buecher/lesefruechte/die-stadt-das-meer-die-liebe-100.html

Weitere Links:

https://www.facebook.com/rahman.abbas.12

https://www.youtube.com/watch?v=rv6iJyVVeZ8